Fangen wir damit an einige klassische Beispiele an Gegenteilen zu suchen:
Was haben alle diese Beispiele bekannter Gegenteile gemeinsam? Sie existieren nicht.
Der Mensch ist es gewohnt Erlebnisse, mit denen er im Augenblick konfrontiert ist, mit seinen Erfahrungen in der Vergangenheit zu vergleichen. Aber Vergleiche können immer nur relativ zu etwas anderem angestellt werden. Um festzustellen, dass etwas hell bzw. heller ist als etwas anderes, bedarf es zuvor einer Definition von dunkel. Andernfalls würde der Vergleich scheitern. Dazu einmal ein wenig graue Theorie.
Als anschauliches Beispiel nehmen wir einmal Licht: Licht ist eine elektromagnetische Welle (um aufschreiende Physiker im Keim zu ersticken: der Dualismus Teilchen-Welle tut hier nichts zur Sache). Wenn wir das Universum betrachten, dann herrscht in diesem die absolute Dunkelheit - also Fehlen von Licht. Dunkelheit = 0 Licht. Nun zünden wir eine Kerze an und vergleichen diese mit dem Universum: die Kerze ist deutlich heller als die absolute Dunkelheit. Danach schalten wir eine Glühbirne ein: diese ist nun bereits so hell, dass sie den Schein der Kerze überstrahlt, es ist gerade noch die Flamme sichtbar. Und zu guter Letzt setzen wir uns mit einem Schutzanzug mitten in die Sonne: sie überstrahlt unsere beiden vorigen Lichtquellen. Die Sonne ist also heller als eine Glühbirne, welche widerum heller als eine Kerze ist. Verglichen zur Sonne ist Kerzenlicht also relativ dunkel. Verglichen zur Dunkelheit ist die Kerze aber relativ hell.
Das ausgesprochene Gegenteil von Licht ist Schatten. An der vom Schatten abgedunkelten Fläche kommt einfach weniger Licht an als in ihrer Umgebung. Trotzdem ist der Schatten jedoch eigentlich keine neue Eigenschaft, sondern einfach ein Lichtmangel. Es gibt keine Dunkelheit, sondern nur Fehlen von Licht.
Etwas abstrakter können wir nun den Vergleich zwischen Gut und Böse ziehen. Böse ist das vollständige Fehlen von Gut. Böse = 0 Gut. Wenn etwas besser ist als etwas anderes, dann ist einfach mehr Gut vorhanden. Wenn etwas schlechter ist, dann ist weniger Gut vorhanden. Damit haben wir aber das Gegenteil relativiert, weil es kein Böse gibt, sondern nur das Fehlen von Gut.
Von dieser Haarspalterei kommen wir zur Praxis: ob etwas heller, dünkler, besser oder schlechter ist, können wir nur im Vergleich feststellen. Wir müssen also zuvor bereits mindestens einmal eine Erfahrung mit der gleichen Eigenschaft gemacht haben. Jemand, der zum ersten Mal Licht sieht, kann unmöglich feststellen, ob es auf ihn hell oder dunkel wirkt. Erst bei seinem zweiten sensorischen Kontakt mit Licht vermag der Beobachter nun zu unterscheiden.
Damit ist aber der Relativierung noch längst nicht Genüge getan: vergleicht man nun unterschiedliche Gesellschaften miteinander, so findet man auch unterschiedliche Moralvorstellungen. Als Beispiel soll uns ein bisher unentdecktes Buschvolk dienen: Ausrotten eines anderen Stammes ist gut, weil es Ressourcen für den eigenen Stamm sichert. Das Schlachten von Rindern ist schlecht, weil diese heilig sind. Stellen wir uns nun vor, was passiert, wenn unser Stamm auf westliche Zivilisation stoßen würde: beiderseitiges Unverständnis wäre wohl die Folge. Der Stamm würde sich wohl fragen, warum wir trotz Wohnraumknappheit unsere Konkurrenz am Leben lassen, und warum wir heilige Tiere essen. Die westliche Zivilisation hingegen wäre vermutlich bestrebt dem Stamm ihre Wertvorstellungen aufzudrängen: Kühe sind nicht heilig, sondern dem Menschen untertan. Und Töten von Menschen ist schlecht. Vermutlich würden sich beide Seiten nicht friedlich auf eine gemeinsame Grundmoral einigen können.
Eigentlich müssten wir alle Ereignisse neutral betrachten. Also die Moralentscheidungen von beiden Seiten sind weder gut noch schlecht. Alleine das Vorhandensein von Moral - egal ob in einer Gesellschaft oder als Wertebild einer einzelnen Person - ist ein Zeichen von Egoismus. Das Gleiche gilt für jegliche erzieherische Maßnahme gegenüber Kindern. Man impft dem Kind ein vorgefertigtes Wertebild ein, von dem man selbst überzeugt ist, dass es gut ist. Man geht davon aus, dass der eigene Standpunkt der einzig wahre und gute ist. Man verlässt sich darauf, dass das eigene Wissen und Gewissen gut ist. Man bewertet dies mit subjektiven Maßstäben - man handelt also egoistisch.
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Letzte Änderung dieser Seite: Österreich 12.04.2009 23:08:06 / GMT 12.04.2009 21:08:06
@lilli: das liegt wahrscheinlich an mir. Das Prinzip an sich ist relativ einfach, aber ich bin zu doof das verständlich in Worte zu fassen ^^ Gehts um eine bestimmte Passage, oder um den gesamten Text?